Supervisions-Sitzung Ulrike Wiebus - Berufsausbildung B 5
„Unfall“ (Beziehungsprobleme)
Die 30-jährige Klientin kommt zur Sitzung, um ihre Beziehungsprobleme zu
bearbeiten. Immer wenn eine Beziehung sehr nah wird, kreiert sie sich Situationen
und Verhaltens-weisen, die zur Trennung führen. Zurzeit ist sie sehr verliebt
und hat jetzt Angst, auch diesen Mann wieder zu verlieren. Bereits im Vorgespräch
kann aufgedeckt werden, wo diese Verlustangst ihren Ursprung hat. Die junge
Frau erzählt von einem schweren Autounfall in ihrer Kindheit. Sie verlor
als 4-Jährige ihre Mutter und ihre Freundin. Zunächst hält die
Klientin einen Zusammenhang zwischen dem Unfall und ihrer Beziehungsproblematik
für unwahrscheinlich, da sie zwei Jahre mit einem Therapeuten an diesem
Trauma intensiv gearbeitet hat. Dennoch taucht sofort zu Beginn der Sitzung
das Bild auf, wie sie in einem Auto sitzt und die Landschaft an ihr vorbeirast.
Plötzlich ist alles grau und totenstill. Der Körper der Klientin spricht
eine deutliche Sprache: Sie beginnt zu zittern, zu wimmern wie ein kleines Kind,
die Hautfarbe wird ganz blass, die Zähne klappern, der ganze Körper
bebt. Auf sehr einfühlsame Art und Weise wird sie von der Therapeutin durch
diesen Prozess begleitet. Am Ende des Prozesses steht die unerwartete Feststellung,
dass ihr Geist immer noch in dem kaputten Auto liegt und unter dem Vordersitz
eingekeilt ist. Die Klientin rennt zu dem Auto und holt ihren Geist zu sich.
Wieder zeigen sich sehr heftige Körperreaktionen: Die Zähne klappern,
der Körper zittert - dann freudige Tränen, die Haut wird rosig und
die Gesichtszüge, ja der ganze Körper entspannt sich – tiefes,
erleichtertes Ausatmen und die Finger lockern sich aus der Verkrampfung. Die
Klientin hat zum ersten Mal das Gefühl, ganz in ihrem Körper zu sein,
sie fühlt sich warm und spürt, wie sie die Welt jetzt erst wieder
richtig wahrnehmen kann, so als ob bisher eine Distanz zwischen ihr und der
Welt gewesen wäre. Die Klientin fühlt sich - wie sie sagt - wie neugeboren.
Wenige Wochen später hat sich ihre Beziehung wunderbar entwickelt und stabilisiert
- Hochzeitspläne werden sogar geschmiedet.
1.Synergetiksitzung:
Klientin ist 30 Jahre jung, kommt wegen Beziehungsproblemen. Immer wenn die
Beziehung sehr nah wird, kreiert sie sich Situationen und Verhaltensweisen,
die zur Trennung führen. Jetzt ist sie wieder sehr verliebt und hat Angst
diesen Mann zu verlieren.
Ich frage sie, ob sie schon einmal eine geliebte Person aus ihrer Familie verloren
hat. Sie erzählt, dass sie mit 4 Jahren ihre Mutter und ihre Freundin bei
einem Autounfall verloren hat. Sie und die Freundin ihrer Mutter überlebten
diesen Unfall. Ich frage, ob das ein Thema für diese Sitzung wäre,
sie meinte, sie habe mit einem Therapeuten fast 2 Jahre an dieser Geschichte
gearbeitet und diese wohl verarbeitet. Sie möchte eine Beziehungssitzung
machen, würde aber ihrem Unterbewußtsein überlassen, was jetzt
wichtig wäre zu erledigen.
Wir beginnen mit Tiefenentspannung – Treppe runter – Gang mit roter
Türe –
ich ermutige sie, durch diese zu gehen – sie traut sich nur zögernd,
aber geht.
Kl: Es laufen ganz schnelle Bilder, Landschaft läuft schnell vorbei.
Th: Wo bist du?
Kl: Im Auto, mit meiner Mutti, ihrer Freundin und meine Freundin. Die Land-
schaft fliegt schnell vorbei. Jetzt erstarrt alles – es ist totenstill
und grau.
(Kl. beginnt zu zittern, zu wimmern wie ein kleines Kind, die Hautfarbe ganz
blass, die Zähne klappern, der ganze Körper bebt.)
Ich halte die Kl. in meinen Armen, wiege sie sanft und begleite sie durch diesen
Körperprozess. Nach einer Weile liegt sie blass, kalt, wie leblos, aber
körperlich
ruhig in meinen Armen. Ich lege sie wieder sanft auf die Liege und frage , was
sie sieht.
Kl: Ich habe Angst. Um mich ist dunkelgrauer Nebel, mit Gestalten drin, die
mir
Angst machen.
Th: Traust du dich, ganz genau hinzusehen und die Gestalten zu fragen, was sie
wollen oder bedeuten?
Kl: Nur wenn du mich an der Hand nimmst und mich hältst. (Ich rücke
ganz
nah zu ihr und halte sie.)
Die Gestalten winken mir – ich soll kommen – ich habe Angst.
Th: Was willst du tun? Traust du dich, dich den Gestalten zu nähern?
Kl: Mit dir an der Hand will ich es versuchen. Ich gehe langsam näher –
sie
winken und schauen eigentlich freundlich – was wollt ihr? Sie winken,
ich soll
kommen- gehe langsam auf sie zu durch den grauen Nebel
Sie sind weg – es ist hell – die Sonne scheint – es ist grün
um mich.
Th: Wo bist du? Schau um dich, was du siehst?
Kl: Ich stehe auf einer grünen Wiese.
Th: Kannst du das Gras fühlen und riechen?
Kl: Ja – es riecht gut – richtig nach frischem Gras.
Th: Schau um dich, was siehst du alles?
Kl: Stehe auf einer großen Wiese – weiter hinten sehe ich ein kaputtes
Auto an
einem Baum. Ich muss da hin – muss zu dem Auto.
Th: Wenn du dich traust, dann gehe ganz langsam. Was willst du dort tun?
Kl: Ich trau mich – ich weiß, dass da keine Toten mehr drin sind.
Ich muss da was erledigen. Gehe jetzt zum Auto. Bin dort – muss hinein.
Th: Was musst du erledigen?
Kl: Ich muss meinen Geist zurück holen. Der ist da drinnen.
Th: Gut – gehe in das Auto und tu, was du dort tun musst.
Kl: Ich bin im Auto – da liegt mein Geist ganz unter dem Vordersitz eingekeilt.
Muss ihn wecken – der rührt sich aber nicht - der reagiert nicht!
Was soll ich tun?
Th: Du kannst Verschiedenes ausprobieren. z.B. Deinen Geist ansprechen –
ru-fen – singen – berühren – streicheln – heraus
helfen – oder vielleicht fällt dir noch etwas anderes ein. Versuch
es einfach.
Kl: Ich streichle ihn jetzt und helfe ihm heraus – (Kl. sehr aufgeregt)
– er rührt
sich – er reagiert – er streckt mir seine Ärmchen entgegen
– ich nehme ihn.
Kl. bekommt heftige Körperreaktionen – Zähne klappern –
Körperzittern –
Körperflimmern – freudige Tränen – Haut wird rosig –
Gesichtszüge entspannen, der ganze Körper entspannt – tiefes,
erleichtertes Ausatmen – Finger lockern sich aus der Verkrampfung.
Ich halte sie in meinen Armen, wiege sie leicht und flüstere - es ist alles
gut.
Klientin weint – kuschelt sich an mich und lässt sich wiegen und
streicheln.
Ich ankere mit einer schönen Musik, bis sie mir zu verstehen gibt, dass
es jetzt
gut ist.
Kl: Jetzt ist mein Geist wieder in mir. Jetzt bin ich wieder ganz. Mir ist so
warm.
Mein Körper fühlt sich ganz anders an. Ich muss mal aufstehen. (Sie
tut es.)
Oh, ich stehe anders auf dem Boden – das fühlt sich alles neu an
– ich habe ein
neues Körpergefühl. (Kl. tastet ihren Körper ab.) Eigenartig,
muss mich erst an
dieses neue Gefühl gewöhnen. Fühle mich wie neu geboren. Ich
kann die Welt
jetzt erst wieder richtig wahrnehmen, als ob vorher zwischen mir und ihr eine
Distanz gewesen wäre. Das fühlt sich toll an! (Kl. legt sich noch
mal hin.)
Th: Was möchtest du jetzt tun, oder brauchst du noch etwas?
Kl: Das war auch anstrengend, ich muss mich noch ausruhen, habe das Gefühl,
der „Kleinen“ in mir, die Welt zu zeigen und zu erklären. Sie
hat ja noch so viel
nachzuholen und zu lernen.
Th: Wenn du möchtest, dann begib dich jetzt an einen Platz, wo du dich
sehr wohl und sicher fühlst.
(Lege der Kl. eine kleine Puppe in die Arme, die zufällig fast so aussieht
wie sie
ihren Geist beschrieben hat, eine weiche anschmiegsame, engelhaft aussehende
Puppe mit weißem Kleidchen.) Kl. nimmt sie liebevoll in ihre Arme, kuschelt
sich mit der Puppe in der Decke ein.
Kl: Bin jetzt bei mir zuhause in meinem Bett. Es fühlt sich sehr gut an.
Alles ist
so entspannt. Es tut so gut, es ist so schön auf der Welt. Meiner „Kleinen“
gefällt es sehr gut bei mir. Ich werd ihr alles zeigen und lernen, aber
zuerst
machen wir es uns hier gemütlich und ruhen uns aus. Wir kuscheln uns in
die
Decke ein. Mach uns schöne Musik dazu.
Th: (Lege schöne Musik auf)
Ja, genieße mit deiner „Kleinen“ deinen gemütlichen Platz,
dein zuhause.
(Kl. liegt friedlich und entspannt und summt zur Musik, wiegt die Puppe im
Arm und schmiegt sich eng an sie.)
Nach einer Weile:
Kl: Ja, jetzt ist es gut. Ich will aufstehen und etwas unternehmen. Habe richtig
Lust dazu.
Th: Wenn du möchtest, dann gehe noch mal auf die Wiese zum Auto und ver-
gewissere dich, ob alles in Ordnung ist, oder ob es noch etwas zu erledigen
gibt,
bevor du jetzt aufstehst und wir die Sitzung beenden.
Kl: Ich schau mal. Gehe zurück – es ist in Ordnung – es gibt
hier nichts mehr für
mich zu tun. Ich will aufstehen und die Sitzung beenden.
Brauche Zeit um meiner „Kleinen“, das Leben zu lernen. Freue mich
schon darauf.
Th: Gut, wir schließen die Sitzung für heute. Genieße mit deiner
„Kleinen“ das
Leben.
Klientin nimmt die Augenbinde ab, steht auf, streckt sich, stampft mit den Füßen
auf den Boden, atmet tief ein und aus und lacht.
„Hätte nicht gedacht, dass es so etwas gibt. Habe das Gefühl,
dass ich jetzt erst richtig zu leben beginne. Meine Hände und Füße
sind richtig warm, früher waren sie meistens kalt. Das Leben fühlt
sich richtig gut an. Danke!“
Nachgespräch:
Bespreche mit meiner Klientin, dass es gut ist, der neuen Erfahrung Raum zu
geben, sich Zeit zu lassen, das Erlebte zu genießen, aber, dass es bei
ihrem Thema vielleicht noch etwas zu tun gibt, was das Unfallgeschehen direkt
betrifft. Sie versteht und will sich später darum kümmern.
Wir besprechen noch, was die Beziehungsprobleme mit dem Unfall zu tun hatten.
Wenn man geliebte Menschen verloren hat, kommt immer, wenn Nähe
entsteht die Angst, wieder einen geliebten Menschen zu verlieren und man
traut sich nicht mehr, Nähe zu zulassen, weil der Schmerz so groß
war.
Die Klientin ist froh, sich dem Thema gestellt zu haben.
Sie gibt mir später Rückmeldung über ihre Beziehung, die sich
gefestigt hat und
wunderbar entwickelt. Hochzeitspläne werden inzwischen geschmiedet.
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