Supervisions-Sitzung Anette Graßme - Berufsausbildung B 5
„DAS GRÜNE MEER“ (Beziehungsprobleme)
Die Klientin findet in dieser Sitzung den Einstieg in ihre Beziehungsthematik
über wunderschöne Phantasiebilder. Sie taucht tief in ein weites,
grünes Meer ein, wo sie ein unterirdisches Schloss mit verschiedenen Gängen,
Treppen und Räumen entdeckt. Im weiteren Verlauf dieser inneren Entdeckungsreise
landet sie schließlich bei dem Gefühl, ins Bodenlose zu fallen, und
kann sofort eine Verbindung herstellen zu ihrer derzeitigen Beziehung. Ihr Partner
hat sich direkt nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes einer anderen Frau zugewandt,
weil er sich von der Klientin vereinnahmt fühlte und mit der Verantwortung
nicht umzugehen vermochte. Durch die innere Konfrontation nimmt die Klientin
bei ihrem Partner ein Gefühl der inneren Zerissenheit wahr, welches sie
sehr gut aus ihrer eigenen Kindheit kennt. In der Beziehung zu ihrer Mutter
kann sie die gleichen Strukturen wie in all den Beziehungen zu ihren Partnern
erkennen. Hier wurde sie vereinnahmt und glaubte die Verantwortung für
das Glück der Mutter übernehmen zu müssen. Da der Konflikt auf
dieser Ebene immer noch nicht geklärt werden kann, geht die Klientin noch
eine Generation weiter zurück und setzt sich mit dem Vater ihrer Mutter
auseinander - solange bis die Mutter in der Lage ist, die Klientin loszulassen
und dem Fluss des Lebens ganz tief zu vertrauen. Die innere Struktur beginnt
sich Grund legend zu verändern, so dass die Klientin schließlich
in der Lage ist, sowohl ihren Partner als auch ihren Sohn innerlich loszulassen.
Nach dieser Sitzung hat sich die Klientin innerhalb kurzer Zeit von ihrem Partner
getrennt und ihrem Leben eine neue Richtung gegeben. Sie hörte auf, ihre
Gefühle mit Alkohol zu betäuben und konnte sich wenige Wochen später
auf eine neue, zum ersten Mal wirklich partnerschaftliche Beziehung einlassen.
4.Session der Klientin. Sie kam zu mir, weil ihre Beziehungen immer wieder
in gleicher Weise gescheitert sind, und sie ihre Ehe beenden wollte.
Ich führe die Klientin zur Entspannung mit dem Einführungstext: Reise
auf der Wolke! Sie landet auf der Wolke im Meer: Meeresrauschen wird eingespielt.
KL: Ganz weit weg kann ich schon Land sehen, aber es ist ganz weit weg.
TH: Wie fühlst du dich auf der Wolke, bist du alleine, wie ist es da?
KL: Ich bin allein, aber irgendwie sieht das Wasser einladend aus. Ich würde
gerne reintauchen, obwohl ich sonst Angst habe ins Meer zu tauchen, weil
es so bodenlos und dunkel ist, aber da hab ich jetzt keine Angst, ich
möchte mich ganz von dem Wasser umgeben lassen, mich im Wasser
schwerelos fühlen.
TH: Magst du mal rein springen in das Wasser?
KL: Ich springe nicht, ich lasse mich ganz langsam rein gleiten, und das Wasser
nimmt mich auf. Ich bin wie ein Fisch, ich brauch nicht extra Luft holen,
ich kann da runter tauchen, es ist gar nicht dunkel, es ist türkis-grün-
blaues Wasser.
Die Klientin entscheidet immer, wozu sie bereit ist, sie folgt ihrer
" inneren Weisheit".
TH: Ist es angenehm?
KL: Ja, so wie wenn man die Sonnenstrahlen von oben ins Wasser rein scheinen
sieht.
TH: Spür dich mal in diesem Wasser, was spürst du und wo fühlst
du es in
deinem Körper?
KL: Ich spüre es am ganzen Körper, dass es so angenehm ist, so schwerelos,
und unten auf dem Meeresboden ist weißer Sand.
TH: Kannst du da hin oder ist es weit weg?
KL: Ich kann da hin, es ist ziemlich tief, aber es fällt mir überhaupt
nicht
schwer, dahin zu tauchen, da ist eine Stadt im Meer mit hohen Türmen,
wie eine kleine Burg, da tauchen auch Fische auf und Delfine.
TH: Magst du mal hingehen zu diesem Ort?
KL: Ja, sieht alles recht einladend aus, obwohl es so tief im Meer ist, ist
es hell dort unten. Auch die Delfine, die da schwimmen sind ganz freund-
lich und begleiten mich zu einem Tor- ein Torbogen, jetzt gehe ich durch
den Torbogen durch, also ich laufe jetzt.
TH: Schau mal, was dich in der Stadt erwartet und beschreib mir mal die Um-
gebung, was du alles siehst.
KL: Es ist ein großer Platz, wo ich jetzt stehe. Rechts und links sind
kleine
weiße Häuschen und geradeaus ist eine große, breite Treppe,
und wenn
man diese hochgeht, kommt man zu diesem Schlösschen.
TH: Wie fühlst du dich auf diesem Platz mit den kleinen Häuschen und
der
Treppe, ist die Treppe aus Stein?
KL: Ja, sie ist aus Stein und fest, wie weißer Marmor und ich fühle
mich
ganz sicher und wohl dort unten.
TH: Jetzt stehst du auf diesem Platz und jetzt kannst du mal schauen, was
du machen möchtest. Du kannst hochgehen zum Schlösschen, du kannst
mal in die einzelnen Häuschen reinschauen!
Hier hat die Klientin die Möglichkeit, ihrem inneren Impuls zu folgen!
KL: Nein, ich würde eigentlich gerne die Treppe hochgehen wie im Zeit-
lupentempo, wie es halt unter Wasser ist, aber es fühlt sich toll an.
TH: Dann versuch es mal.
KL: So eine Schwerelosigkeit. Und ich gehe ganz genau in der Mitte die
Treppe hoch, und jetzt bin ich oben, und da ist eine große Holztür
in dem
Schloss, eine Bogentür, sie besteht aus zwei Flügeln, man kann sie
in der
Mitte aufmachen.
TH: Magst du das mal machen?
KL: Ja, ich geh da jetzt mal rein. Ich möchte wissen, was in diesem Schloss
drin ist. Ich mach jetzt die Tür auf und dahinter ist ganz blaues Wasser,
das ist komisch, jetzt ist es ganz tiefblaues, klares Wasser.
TH: Was ist da noch, was kannst du noch wahrnehmen?
KL: Ich muss erst weiter rein gehen. Ich kann durchsehen, und es gehen rechts
und links noch mal zwei schmalere Treppen hoch und geradeaus.....
TH: Was ist da?
KL: Nichts, einfach nur Meer!
TH: Schau mal, was du machen willst. Du kannst jetzt mal diesen Raum an-
sprechen oder aber du kannst die Treppen hochgehen. Was ist jetzt für
Dich stimmig?
Der Raum entspricht einem eigenen Energiemuster, das wiederum ver-
netzt ist mit anderen. (Treppen). Daher kann der Raum antworten.
KL: Ich glaube, ich frag ihn erst mal. Du Raum, der du so schön gefüllt
bist
mit blauen Wasser, so klar und leuchtend in gewisser Weise, was hast
du für eine Bedeutung? Was suche ich in dir, was kann ich in dir finden
oder was soll ich suchen?
Es ist ganz komisch; er sagt etwas von einem Schatz, den ich finden
könnte, so eine Truhe mit Edelsteinen, wie in einem Piratenfilm.
TH: Sagt er das, dass da Edelsteine drin sind?
KL: Ja, und ich habe schon eine feste Vorstellung, wie er aussieht, der Schatz.
Diese große Holztruhe.
TH: Sprich mal weiter mit dem Raum, frag ihn vielleicht auch nach dem Weg
zu diesem Schatz.
KL: Raum, was meinst du, dass ich diesen Schatz finden kann. Was soll ich
tun, um dahin zu gelangen?
Na ja, du musst dich schon ein bisschen anstrengen. Aber es gibt hier
noch eine Treppe runter, und das Bild, das du vor Augen hast, ist nur
eine Vision. Du musst den Schatz schon richtig finden.
Die Treppe nach unten führt die Klientin noch tiefer in ihr Unterbewußt-
sein.
TH: Wie ist das für dich, wenn er das so sagt?
KL: Ist ja eigentlich nicht so schwierig, müsste sich ja machen lassen.
Und je
weiter ich in den Raum reingehe, und da sehe ich tatsächlich eine Treppe,
die nach unten geht, sie ist ganz flach, nicht irgendwie steil, man kann
ganz bequem runtergehen.
TH: Was machst du jetzt? Magst du die Treppe runtergehen oder tust du es
schon?
KL: Ja, ich geh grad schon die Treppe runter.
TH: Wie fühlst du dich dort?
KL: Es kommt eine leichte Unsicherheit auf.
TH: Sag das dem Raum.
KL: Raum, ich fühle mich ein bisschen unsicher, wenn ich die Treppe runter-
gehe, ich weiß nicht so recht, was mich dort erwartet, auch wenn du mir
versprichst, dass ich da einen Schatz finden kann, aber ich gehe trotzdem
weiter, ich habe keine Angst.
TH: Gibt der Raum dir Antwort?
KL: Nein, er wartet, bis ich die Treppe runter bin. Jetzt stehe ich in einem
großen Raum, und es ist nicht mehr ganz so hell wie oben, aber die
Schatztruhe sehe ich nicht.
TH: Was nimmst du wahr? Was ist noch dort?
KL: Eigentlich erst mal sonst nichts. Es ist ein halbrunder Raum, nein eigent-
lich ist er ganz rund, also auch unter der Treppe, wo ich runtergekommen
bin, geht es weiter, und es sind Nischen in den Wänden.
TH: Sprich mal mit dem Raum. Vielleicht kannst du auch mir dem anderen
Raum in Kontakt sein. Was ist für die stimmig?
KL: Es ist ein und dasselbe, es hat sich nicht großartig geändert.
TH: Die Räume sind sich ähnlich?
KL: Ja.
TH: Sprich mal mit dem Raum!
KL: Raum, hast du einen Vorschlag, was ich jetzt machen soll?
Schau dich erst mal um, und diese Nischen sind die verschiedenen Mög-
lichkeiten, die du hast, die dir offen stehen. Du hast nicht nur einen Weg.
TH: Wie ist das für dich?
KL: Es ist immer gut, wenn man mehrere Möglichkeiten hat, es sind bestimmt
sieben oder acht.
TH: Vielleicht magst du den Raum fragen, ob er dir vorschlägt in einer
ge-
wissen Reihenfolge zu schauen, oder ob du deinen Impuls folgen sollst.
KL: Ich gehe jetzt erst mal zu der Wand und fahre mit der Hand entlang bis zu
der ersten Nische. Die ist links.
TH: Was nimmst du wahr, in der Nische?
KL: Da drin ist es dunkel und kalt. Wenn ich da meine Hand rein stecke, ist
es
eher unangenehm, und es ist wie dickeres Wasser, wie ein leichter Wider-
stand. Es gefällt mir nicht. Ich möchte die Hand gerne wieder heraus
ziehen.
TH: Sag das der Nische direkt!
KL: Nische, du bist so kalt und schwarz und überhaupt nicht einladend.
Ich
möchte eigentlich gar nichts mit dir zu tun haben.
TH: Gibt sie dir Antwort? Oder möchtest du den Versuch wagen, einen
Schritt hinein zu gehen?
KL: Es ist ganz komisch, wenn ich das mache, dann kann ich wieder eine
Tür öffnen bzw. die Wand zur Seite schieben.
TH: Bist du bereit dazu?
KL: Ja, es ist auch nur dieses kleine Stück noch so schwarz, ganz seltsam,
wie halbiert. Ich kann an dem Schwarzen vorbei gehen, und dahinter ist
eine Raum, aber mit Luft gefüllt.
TH: Vielleicht magst du in den Raum hinein gehen und schauen, was du
feststellst und wie du dich fühlst.
KL: Ich kann da nicht reingehen, ich würde ins Bodenlose fallen.
Die Klientin hatte schon in einer vorhergehenden Sitzung diese Angst,
ins Bodenlose zu fallen. Sie wollte dort nicht weiter gehen.
Ich weise Die Klientin darauf hin und auf ihre erneute Chance.
Ich versuche nun Symbolebene und Realebene zu verknüpfen.
TH: Kennst du das aus deinem Leben, eine Situation, ins Bodenlose zu
fallen, lass mal so eine Situation auftauchen.
KL: Ins Bodenlose zu fallen?
TH: Ja, nimm mal das Gefühl wahr. Du fällst, und da ist kein Boden,
unend-
lich weit.
KL: Es fällt mir jetzt nur ein, dass der Lars auf der Welt war, und der
Ludwig nicht mehr da.
Der Lebensgefährte hatte die Klientin nach der Geburt des Kindes ver-
lassen. Sie lebt nun allein mit ihrem Sohn, fühlt sich einerseits in
ihrer Wohnung wohl, findet aber keine Ruhe, weil der Gedanke sie
quält, dass Ludwig mit der neuen Freundin zusammen ist.
Ich fordere die Klientin zur direkten Konfrontation auf, damit eine
Entladung der Energiestruktur eingeleitet werden kann.
TH: Lass Ludwig mal da sein und sage ihm, wie es dir geht!
KL: Ja, Ludwig, das ist einfach zum Kotzen. Ich hasse dich dafür, dass
du
mich so allein lässt und dir auch noch gleich eine andere gesucht hast.
Mir geht es so beschissen. Ich weiß gar nicht, was ich machen soll.
Es ist so viel, und ich fühl mich einsam, obwohl ich Lars habe. Aber
ich hätte mir gewünscht, dass wir füreinander da sind und diese
schwierige Zeit durchstehen.
TH: Was antwortet Ludwig dir?
KL: Aber ich kann das halt nicht - mit der Verantwortung. Du hast mich über-
rumpelt mit dem Kind. Ich schaffe es nicht.
TH: Wie ist das für dich, wenn Ludwig sagt: er schafft das nicht, es ist
zu
schwer für ihn?
KL: Du bist ein mieses, kleines, feiges Schwein. Erst tönst du davon, dass
etwas von dir übrig bleiben soll, wenn du stirbst. Aber alles, was von
dir
übrig bleiben soll, sind irgendwelche Häuser, die du renoviert hast
und
jetzt ist ein Kind da, und das bleibt tatsächlich von dir übrig und
da willst
du dich aus der Verantwortung ziehen. Du bist selbst noch wie ein Kind.
Er weiß das ja, er packt es halt nicht und ich würde ihn am liebsten
raus-
schmeissen.
TH: Du hast jetzt die Gelegenheit in deiner Innenwelt die Situation zu klären
und zu verändern. Lass Ludwig da sein und zeige ihm, was du fühlst.
KL: Weißt du, Ludwig, ich kann gut auf dich verzichten. Du würdest
für mich
alles noch schwieriger machen, weil dann müsste ich nicht nur für
das
Kind sorgen, dann müsste ich dich auch noch beschwichtigen, wenn
Lars nachts schreit. Du wärst mir sowieso keine Stütze und keine Hilfe,
weil du ebenso klein und schwach bist.
Die Klientin setzt sich mit Ludwig auseinander. Sie ist verletzt und
traurig, weil ihr Partner sie in der Schwangerschaft unattraktiv, ja ekelig
fand, und er keinen Anteil am werdenden Kind nahm.
Ich unterstütze die Auseinandersetzung mit Musik, um die energetische
Entladung zu fördern.
Die beiden stellen fest, dass ihre Liebe verloren gegangen ist, und
suchen die Ursache. Für Ludwig ist die Beziehung zu eng geworden,
denn die Klientin hat sich zu viel um ihn gekümmert.
TH: Verstehst du, was er damit meint, dass du dich zu sehr gekümmert hast?
KL: Ludwig, was meinst du damit, dass ich mich zu viel um dich gekümmert
habe - angeblich?
Du hast mir immer mein Frühstück mit in die Firma gegeben, und das
hätte ich auch essen sollen. Dabei will ich das nicht immer, und du hast
auch noch Anerkennung gewollt für die Mühe.
TH: Wie ist das für dich?
KL: Ich finde das ein bisschen lächerlich! Du hättest mal sagen müssen,
dass
Du das so nicht willst. Dann hätte ich es gelassen! Aber andererseits war
es Dir ganz recht, weil da endlich jemand war, der sich Gedanken ge-
macht hat. Du bist in gewisser Weise genauso zerrissen in deinen Ge-
fühlen wie ich. Du willst beides gleichzeitig. Auf der einen Seite diese
Sicherheit und Geborgenheit einer Familie, das immer jemand da ist,
andererseits die Unabhängigkeit, machen, was man will ohne Rechen-
schaft ablegen zu müssen!!!
TH: Spürst du diese Zerrissenheit irgendwo in dir?
KL: Ja, das kann ich spüren!
TH: Wo spürst du das?
KL: Das spür ich in meinen Körper, meinem Bauch. Wie wenn man ein
Blatt Papier in der Mitte zerreißt und ganz viele zackige Spitzen ent-
stehen. ... das Papier zerreißt ... große Zacken ...
TH: Lass diese Zerrissenheit mal da sein. Vielleicht kann dein Körper auch
ein Bild geben, wo diese Zerrissenheit ihren Ursprung hat.
KL: Wenn man mich so auseinander reißen würde, mit diesen spitzen
Zacken,
dann heißt das ja auch, das man diese Zacken wieder zusammen fügen
kann ... und dass die wieder zueinander passen ...
TH: Mmh.
KL: Und das dann zwar eine Linie, Grenze entsteht, aber das sie trotzdem so
zusammen sind, dass sie zusammen halten. Das muss ja nichts Schlechtes
sein.
TH: Nein, auf der einen Seite fühlst du dich zerrissen. Dieses "sich
zerrissen
fühlen" hat eine Ursache. Auf der anderen Seite kannst du die Zacken
wieder zusammen fügen. Die Zerrissenheit ist gewissermaßen heilbar.
Deshalb war der Vorschlag: willst du deinen Körper fragen, ob er dir den
Weg zum Ursprung dieser Zerrissenheit weist oder du kannst die Zer-
rissenheit auch als Gestalt auftauchen lassen.
KL: Wenn ich an meine Zerrissenheit denke, sehe ich ein Bild, als ich noch
ein Kind war, vielleicht vier oder fünf Jahre alt.
TH: Sei mal in der Situation.
KL: Ich stehe vor dem Haus, in dem wir wohnten und habe das Gefühl, ich
möchte weglaufen, wegrennen, weil mir das irgendwie zu eng ist. Ich
habe das Gefühl, meine Mutter greift nach mir und will mich festhalten
und beschützen.
Hier wird deutlich, dass die Klientin das Verhalten der Mutter unbewußt
übernommen hat. Sie lebt es in ihren Partnerschaften.
KL: Ich weiß nicht, vor was sie mich beschützen will. Ich stehe noch
vor dem
Haus und spüre, dass meine Mutter irgendwie in meiner Nähe ist und
mich nicht weg lassen will.
TH: Lass sie mal da sein, deine Mutter und sag es ihr direkt!
KL: Mutti, ich habe das Bedürfnis weg zu rennen. Einfach nur zu einer Freun-
din oder einfach nur ein paar Meter.....du willst alles festhalten, gar nicht
körperlich.....So als würdest du dich einsam fühlen, wenn ich
nicht da bin.
Als wärst du viel zu alleine ohne mich. Aber du möchtest, dass ich
dein
Leben ausfüllen soll. Ich bin diejenige, die dich ausfüllt, die dein
Leben
ist.
TH: Wie fühlt sich das für dich an?
KL: Das ist mir viel zu anstrengend!!! Das schaff ich nicht!!! Das ist zu viel
Ver-
antwortung und das erdrückt mich eher!!!
TH: Gibt deine Mutter dir Antwort?
KL: Es ist eigentlich Quatsch, was sie sagt. Sie sagt: was habe ich denn außer
dir, aber sie hat ja......Mutti, das ist Blödsinn, was du mir erzählst.
Du
hast einen Mann, der ist zwar manchmal nicht da, aber es kann doch nicht
sein, dass ich die Verantwortung tragen muss. Das du dich durch mich
rechtfertigst, das dein Leben einen Sinn hat - dass es diesen Sinn hat!!!!
TH: Was antwortet sie?
KL: Sie versteht das überhaupt nicht.
TH: Sagt sie das zu dir?
KL: Nein, ich spüre das. Ich sehe ihr das am Gesicht an.
TH: Sag ihr, was du wahrnimmst!
KL: Mutti, ich merke, dass du das überhaupt nicht verstehst, was ich dir
gesagt
habe. Du belastest mich nur damit, dass du nicht auch einen Teil Leben
für dich selbst in Anspruch nimmst. Dass ich stolz sein kann auf meine
Mutter. Eine Mutter, die Tennis spielt oder die was macht, das ist eine
tolle Mutter! Du bist keine schlechte Mutter, aber ich möchte vor den
anderen angeben, wie toll du bist! Weil das, was du für mich machst, ist
so normal und viel, aber das machen andere Mütter für ihre Kinder
auch.
Ich fände es schön, wenn du irgendetwas machen würdest, was andere
Mütter nicht machen.
TH: Frag deine Mutter mal, was sie daran hindert, ihr Leben selbst auszufüllen!
KL: Sie hat es sich als Aufgabe herausgesucht.
TH: Sie soll mal klar ausdrücken, was sie sich als Aufgabe herausgesucht
hat!
KL: Mutti, was hast du dir als Aufgabe herausgesucht?.... "Zu Leiden"....
TH: Wie ist das für dich?
KL: Das ist ein Gefühl, als würde mich jemand in den Keller ziehen!
TH: Sag es deiner Mutter!
KL: Mutti, das zieht mich runter. Dann bin ich auch noch daran Schuld, dass
du leidest. Ich möchte gerne ausbrechen aus den Ganzen. Mir ist, als
würde mich jemand unter Wasser drücken, und ich bekomme keine Luft
mehr, und ich möchte mich vom Boden abstoßen, aus dem Wasser heraus-
schießen und wieder Luft bekommen. Mutti, du nimmst mir die Luft zum
Atmen, das ist genau das, wo ich dich am liebsten wegschubsen möchte!!!
TH: Was sagt sie?
KL: Sie fühlt sich schuldig. Sie will nicht, dass ich mich so fühle....
TH: Auch in deiner Mutter ist Zerrissenheit. Sie möchte auf der einen Seite
dieses Leid für sich, und auf der anderen Seite möchte sie nicht,
dass du so
fühlst. Vielleicht magst du deine Mutter fragen, ob sie weiß, wo
das aus
ihrem Leben herkommt, dass sie leiden soll.
KL: Mutti, wie kann so was passieren? Wie kann es dazu kommen, dass du dich
allem so unterordnest, das du leidest für etwas, wo du gar nicht leiden
müsstest. Kannst du mir das irgenwie erzählen? - Sie kann das auch
nicht
an einem Punkt fest machen. Es sind mehr die demoralisierenden Worte
ihres Vaters, was ihr Äußeres betrifft, dass sie sich nicht wohl
fühlen darf,
wenn sie attraktiv ist. Sie soll immer unauffällig sein und eine graue
Maus. Sie hat sich gefälligst dem ganz stink-normalen Leben unterzu-
ordnen.
TH: Lass den Großvater da sein. Lass die beiden sich auseinandersetzen!
KL: Das ist hart...Das ist nämlich ein harter Brocken, der Opa.
TH: Sag ihm das!
KL: Es ist unerträglich. Es ist wirklich unerträglich, dass du so
unnachgiebig
bist. Für dich gibt es nur deine Meinung. Du bist vollkommen starr und
unflexibel, nicht kompromissbereit, auch nur ein bisschen nachzugeben
und schau dir an, was aus deiner Tochter geworden ist. ... Die ist ver-
klemmt und schüchtern und traut sich nichts zu. Wolltest du wirklich
einen Menschen großziehen, der so zubetoniert ist, eingemauert in sich
selbst? Das ist nicht das Leben. Das ist in eine Schiene gepresst. Nicht
rechts und links geschaut. Nur so, wie du es willst, so soll es sein!!!
TH: Gibt er dir Antwort?
KL: Er sagt: ich hab ja schon viel mehr erlebt im Leben, ich weiß, was
wichtig
ist, und wo es lang geht.
TH: Wie ist da für dich?
KL: Kann sein, dass du mehr erlebt hast, aber die Zeiten ändern sich. Du
hast
überhaupt kein Vertrauen zu der Entwicklung, und dass deine Tochter
irgendwann erwachsen geworden ist. Du hast sie so gehemmt, das sie sich
nichts zutraut. Das sie sich jemanden suchen muss, der alles für sie macht,
ihren Mann, der auch ihr Leben in die Hand nimmt, damit sie möglichst
wenig machen muss!
Tja, dafür sind die Männer da!
TH: Was macht das mit dir?
KL: Opa, heute ist das nicht mehr so. Zum Glück brauche ich keinen Mann,
der
mir sagt, was richtig und falsch ist. Ich regle das für mich selbst.
TH: Wie reagiert der Opa?
KL: Verständnislos! Er kapiert es überhaupt nichts! Das ist völlig
neben seinen
Vorstellungen!!! Das gibt es gar nicht für ihn!!!
TH: Was möchtest du tun, was ist dein Impuls?
KL: Mein erster Impuls wäre, weg zu gehen, aber das will ich nicht!!! Ich
würde ihn gerne mit vernünftigen Argumenten überzeugen.
TH: Meinst du, dass du das kannst? Du redest quasi an eine Wand.
KL: Also, wenn ich ihn da so als Wand vor mir.....ich würde ihn am liebsten
umschubsen.
Ich fordere die Klientin auf, die Wand umzustoßen und unterstütze
mit
Musik, um die energetische Entladung zu fördern. Den Schlagstock lege
ich bereit.
KL: Du musst da weg!!! Geh jetzt endlich weg!!! Das muss jetzt eine Ende
haben!!!
Du Kotzbrocken, hau endlich ab, ich mach dich platt!!!
Die Klientin schlägt mit dem Schlagstock, und ich fordere sie auf einen
Ton
zu machen, um den Energiefluss zu unterstützen.
KL: Es hört auf, dass du Macht über uns hast!!! Platt, völlig
platt!!!
TH: Was ist jetzt?
KL: Er kann sich nicht mehr bewegen. Es ist, als hätte ich die Mauer in
tausend
kleine Bröckelchen zerteilt. Die liegt da.
TH: Wie fühlt sich das für dich an?
KL: Ich bekomme Luft!!! Und dahinten ist blauer Himmel. He, Mutti, jetzt
könntest du mal mitkommen.
TH: Ja, zeig ihr das mal.
KL: Sie findet das toll. Sie hätte sich das nie getraut
TH: Wie fühlst du dich?
KL: Ich habe Luft und ganz viel Platz, die Welt gehört uns...
Ich fordere die Klientin auf, nochmals mit dem Opa in Kontakt zu gehen.
Sie nimmt ihn wahr als traurigen Mann mit hängenden Schultern, der sich
hilflos und klein fühlt und dem noch Vertrauen fehlt.
Ich schlage vor, die Veränderung durch das Einfließenlassen von Farbe
zu stabilisieren. Der Großvater wählt violett, um sein Vertrauen
zu stär-
ken. Entsprechend meiner Anweisung lässt die Klientin erst bei sich und
dann beim Großvater die violette Farbe einlaufen.
KL: Opa, kannst du schon spüren, dass dein Vertrauen gewachsen ist?
Ja, ich kann es spüren und fühle mich viel besser dabei, viel erwachsener.
Eigentlich weiß ich ja auch, dass die Mutti alles allein schafft.
TH: Lass die Mutti mal da sein!
KL: Meine Mutter nimmt uns jetzt an der Hand, den Opa an die rechte und
mich an die linke. Wir bilden jetzt einen Kreis. Dadurch fließt auch
Farbe in sie ein. Es ist schön, es ist wie eine Einheit, in der viel Kraft
fließt.
TH: Wo spürst du das in deinem Körper?
KL: Das spür ich im ganzen Körper. Es ist Wahnsinn, dass man sich
so fühlen
Kann, ohne diese Mauer darum herum. Ja, irgendwie will ich auch gar
nicht mehr wegrennen.
Ich gebe der Klientin viel Zeit, um das neue Gefühl ganz in sich aufzu-
nehmen und spiele Musik zur Ankerung.
Ich fordere Die Klientin auf, noch mal in die Situation in ihrer Kindheit
zu gehen.
KL: Ich kann mich da wohl fühlen. Ich weiß, dass Mutti oben ist in
der
Wohnung, und dass es für sie ok. ist, dass ich unten auf der Straße
bin,
und sie weiß, dass sie mir vertrauen kann. Und ich weiß, die Tür
ist offen.
Ich kann immer raus und rein. Sie braucht auch gar nichts mehr Tolles zu
machen, damit ich damit angeben kann.
TH: Magst du Ludwig noch mal dazu rufen?
KL: Den mach ich ja platt durch meine Anwesenheit. Der ist überhaupt nicht
mehr da. Der verblasst ja total!!
TH: Sag´s ihm direkt!
KL: Weißt du Ludwig, du löst dich gerade in Luft auf, du Arschloch.
Nein,
weißt du, dich brauch ich echt nicht. Ich bin froh, wenn du gehst. Lass
uns einfach in Ruhe!!
TH: Wie fühlst du dich, wenn du das sagst?
KL: Es ist einfach klasse, da kann der überhaupt nicht mithalten. Das schafft
der nie. Ich bin wie ein elektromagnetisches Feld. Ich strahle so nach
außen, da hat er keine Chance!!!
TH: Spür mal dieses Feld in dir!
KL: Ja, und ich brauche auch niemand als Bestätigung. Ich brauche auch
den
Lars nicht als Bestätigung, dass ich was Wert bin, oder dass ich so in
Ordnung bin, wie ich bin. Ich kann ihn ganz für sich lassen. Ich kann ihn
auf den Arm nehmen und ihm meine ganze Liebe schenken, einfach so!!
TH: Ja, dass ist toll, spür das mal!
KL: Er ist auch der einzige, den ich teilhaben lasse an meiner Kraft und
Energie. Der Ludwig schmilzt gerade wie ein Schneemann in der Sonne
zusammen. Der löst sich gerade wirklich in Luft auf. ... Ohne dass ich
noch sauer auf ihn wäre oder wütend ...
Ich gebe der Klientin Zeit, ihre neue Wahrnehmung zu verankern.
Dann bitte ich sie noch einmal in den Raum mit den Nischen zu gehen,
um zu schauen, wie es nun in der Nische bzw. in dem Raum dahinter
aussieht.
KL: Ja, er ist noch da, aber da sind Wolken. Wie wenn man den Himmel von
oben sieht. Wenn ich jetzt reingehen würde, könnte ich auf den Wolken
laufen.
TH: Magst du mal schauen, wie sich das anfühlt?
KL: Es fühlt sich toll an. Die Weite unter sich ohne das man Angst haben
muss. Ich kann auf den Wolken spazieren gehen, ohne dass ich runter-
falle. Es passiert mir nichts.
TH: Magst du noch mal in den Raum mit den Nischen gehen? Da sind ja
auch noch mehr Nischen. Du kannst eine Vereinbarung treffen wieder
zu kommen und dann war da auch noch der Schatz!
KL: Der Raum ist unverändert, ein bisschen heller. Die Treppe, die hoch-
führt, die ich vorher runter gegangen bin, ist auch irgendwie ganz hell,
als würde die Sonne direkt darauf strahlen. Ich würde jetzt gern die
Treppe wieder hoch gehen, den Weg zurück.
TH: Und der Schatz?
KL: Der Schatz ist nicht diese Schatztruhe, die ich vor Augen hatte. Den
Schatz finde ich, wenn ich die Treppe hoch gehe, denn da ist Licht,
Wärme, Freiheit und eigentlich ist dieses Licht der Schatz!!!
TH: Sag das mal dem Raum.
KL: Ich glaube, dass ich in dir noch viel finden kann. Ich würde gerne
wieder-
kommen. Vielleicht hast du noch mehr Schätze versteckt.
TH: Gibt er dir Antwort?
KL: Ja, komm ruhig wieder. Es gibt noch ein paar Überraschungen, die ich
dir
zeigen kann.
TH: Schau mal, was du jetzt machen möchtest.
KL: Ich möchte gern denselben Weg zurück gehen. Wieder durch die Halle
durch, durch die Tür nach draußen in das grüne Wasser. Die Treppe
run-
ter. Aber ich laufe nicht, ich schwebe die Treppe runter und durch den
Torbogen durch und schwimme wieder in Richtung Wasseroberfläche.
Es ist ein gutes Stück zu tauchen. Um mich herum sind wieder Delfine.
Es ist schön, auch wieder draußen zu sein. Den Kopf aus dem Wasser
heraus zu strecken. Ganz klare Luft und Sonne. Ich lege mich einfach
nur auf die Wasseroberfläche und lasse mich treiben. Wahnsinn, wie
viel Zeit ich habe.
TH: Wollen wir es so lassen?
KL: Jaaa....
Nach dieser Sitzung hat sich die Klientin innerhalb kurzer Zeit von ihrem Mann
getrennt und ihrem Leben eine neue Richtung gegeben.
Sie hat Ende April nochmals eine Session gemacht. Heute erreichte mich
ein Brief von ihr, in dem sie folgendes schreibt:
Wenn ich überlege, was alles passiert ist, seit wir uns das erste Mal trafen,
bin ich zutiefst dankbar für dieses Ereignis. In mir ist so viel in Bewegung
ge-
kommen! Von den tiefsten Tiefen bis zu den höchsten Höhen war und
ist alles
in meiner Gefühlswelt passiert. Das Schöne daran ist, dass ich das
alles wieder
spüren kann. Ich betäube Kummer und Schmerzen nicht mehr mit Alkohol.
Ich bin einem Mann begegnet, mit dem ein partnerschaftliches Leben gelingt und
du begleitest mich und hilfst mir meinen Weg zu finden. Auch Glück und
Freude spüre ich wieder in mir. Positive Energie kann fließen, und
ich kann
wieder herzlich lachen.